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Busse & Bahnen > Reiseberichte > Südfrankreich 2012

Reisebericht Südfrankreich 24.03.-01.04.12

Die Fotos von der Reise, auf denen keine Verkehrsmittel zu sehen sind, könnt ihr im Album anschauen.

Planung
Tag 1 (Aschaffenburg–Lyon)
Tag 2 (Lyon)
Tag 3 (Lyon–Nizza)
Tag 4 (Monaco)
Tag 5 (Nizza–Nîmes)
Tag 6 (Pont du Gard)
Tag 7 (Aigues-Mortes, Nîmes–Marseille)
Tag 8 (Marseille)
Tag 9 (Marseille–Aschaffenburg)

Planung

Ende März 2012 trafen mal wieder zwei glückliche Umstände zusammen: Ich hatte noch eine Woche Resturlaub zu „verbraten“, und außerdem wurde am 23. März der neue direkte TGV Frankfurt–Marseille eingeführt. Beides wollte ich nutzen, um Südfrankreich ein wenig zu erkunden, das ich bisher kaum kannte. Auf dem Hinweg war natürlich auch ein Besuch bei meiner Tante in Lyon eingeplant.
Bei der Buchung im Laufe des Januars stellt sich heraus, dass auf dem Hinweg weder bei der SNCF noch bei der DB günstige Plätze im direkten TGV buchbar sind. Ob dies nun an starker Nachfrage liegt oder an einem Fehler des Buchungssystems, den es zu diesem Zeitpunkt gegeben haben soll, lässt sich nicht sagen. Jedenfalls buche ich für die Hinfahrt eine Verbindung mit mehreren Umstiegen und dem TGV Straßburg–Lyon. Da die grenzüberschreitende Online-Buchung bei der DB nicht möglich und bei der SNCF unnötig teuer ist, buche ich den deutschen und den französischen Abschnitt getrennt, wegen der knappen Umstiege mit einer Stunde Sicherheitspuffer. Außerdem kaufe ich bei der SNCF die TGV-Fahrten Lyon–Nizza und Nizza–Nîmes. Auch die Rückfahrt, diesmal mit dem direkten TGV Marseille–Frankfurt, kaufe ich dort, da die DB keine günstigen Tickets mehr hat. Alle Tickets kann ich bequem mit Kreditkarte bezahlen und bekomme sie zugeschickt oder kann sie selbst ausdrucken.

Hinfahrt

Samstag, 24.03.12

Aschaffenburg Hbf       ab  8.46 RB 15710
Darmstadt Hbf           an  9.27
Darmstadt Hbf           ab  9.37 IC 2271
Karlsruhe Hbf           an 10.50
Karlsruhe Hbf           ab 11.00 ICE 503
Offenburg               an 11.27
Offenburg               ab 12.04 OSB 87428
Strasbourg              an 12.36
Strasbourg              ab 13.14 TGV 4601
Lyon Part Dieu          an 16.56

Am Abreisetag fällt mir das frühe Aufstehen dank der Vorfreude nicht schwer. Ich nehme den Bus zum Bahnhof, der zum Glück passend fährt, und entere die Regionalbahn nach Darmstadt, die seit ein paar Jahren mit Doppelstockwagen fährt. Unterwegs passiert nichts Besonderes, sieht man mal von einem entgegenkommenden ICE kurz vor Messel ab, der wohl wegen Bauarbeiten bei Hanau über diese Strecke umgeleitet wurde. In Darmstadt angekommen, beobachte ich von der Brücke über die Gleise ein wenig den Zugbetrieb zum Taktknoten, bevor ich mich auf Gleis 11 begebe, wo mein IC abfahren soll. Dieser trifft auch pünktlich ein und hat noch ausreichend freie Sitzplätze. Ich setze mich auf die rechte Seite, so dass ich nach einigen Kilometern rechts die wiedereröffnete Pfungstadtbahn abzweigen sehen kann. Sonst passiert auch hier nichts Besonderes, so dass ich mal wieder meinen MP3-Player heraushole. Pünktlich um 10.50 Uhr kommen wir in Karlsruhe an, wo sich schon zahlreiche Züge zum Taktknoten versammelt haben.
Nach dem Ausstieg gehe ich kurz auf den Bahnhofsvorplatz, um etwas Karlsruher Luft zu schnuppern – immerhin verbinde ich einige Erinnerungen mit der Stadt, unter anderem weil ich hier mal fast vier Monate gewohnt habe. Viel Zeit habe ich jedoch nicht, also begebe ich mich auf Gleis 2, wo gerade eine Gruppe grölender Fußballfans steht. Zum Glück wollen sie nicht in meinen ICE, der pünktlich einfährt und mir wiederum einen Sitzplatz mit freiem Nebenplatz bietet. Nach der kurzen Fahrt nach Offenburg steige ich aus dem Zug und bin der Meinung, dass es nun gleich nach Straßburg weiter gehen müsste. Mit einem Blick auf den Abfahrtsplan stelle ich jedoch fest, dass ich den Fahrplan falsch im Kopf hatte und eine halbe Stunde meines Zeitpuffers hier verbringen muss. Also laufe ich kurz in die Stadt, fotografiere ein paar Busse und stöbere an einem Stand mit Buch-Sonderangeboten. Kurz vor zwölf Uhr gehe ich zurück zum Bahnhof und stelle mich an Gleis 3 bereit, was jede Menge andere Menschen auch schon getan haben – offensichtlich wollen sie alle an diesem schönen Samstagmittag nach Straßburg fahren. Der Zug, eine Doppeltraktion RegioShuttle, kommt aus der Abstellung gefahren und bietet zum Glück für fast alle ausreichende Sitzplätze. In Appenweier halten wir an einem Bahnsteig an der Verbindungskurve, einige hundert Meter vom eigentlichen Bahnhof entfernt, und nach Legelshurst und Kork kommt schon bald der Grenzbahnhof Kehl. Direkt dahinter überqueren wir die 2010 zweigleisig ausgebaute Rheinbrücke, in deren Mitte die französische Grenze verläuft. Nach einem Zwischenhalt in Krimmeri-Meinau erreichen wir wiederum pünktlich Straßburg auf einem etwas abseits gelegenen Gleis. Ich schaue mich ein wenig im Bahnhofsumfeld um: das alte Bahnhofsgebäude ist von einer modernen Glasfassade überbaut worden, was ein wenig seltsam aussieht. Zwei der drei hier verkehrenden Straßenbahnlinien verlaufen im Tunnel, so dass ich zum Fotografieren die oberirdische Endstation der dritten Linie aufsuche. Zurück im Bahnhof fällt mir ein mit Maschinenpistole patrouillierender Soldat auf – die Anschläge von Toulouse und Umgebung sind erst ein paar Tage her. Eine Anzeigetafel gibt bekannt, dass der TGV Marseille–Frankfurt wegen eines Personenunfalls 1 1/4 Stunden Verspätung hat. Mein Zug dagegen wird pünktlich auf Gleis 1 bereit gestellt. Interessanterweise handelt es sich um einen TGV Sud-Est, der innen schon etwas abgewohnt wirkt. Ich habe übrigens im Ruhebereich gebucht, den es nur auf der neuen Rhein-Rhône-Strecke gibt. Die Buchung kostet einen Zuschlag von einem Euro, aber dafür ist der Wagen allein schon durch seine geringere Besetzung deutlich ruhiger. So muss ich auch nicht meinen reservierten Platz einnehmen, sondern kann eine Reihe weiter mit freiem Nebenplatz sitzen.

Bereits 2 Minuten vor der Abfahrt muss man in Frankreich im Zug sein, da die Abfertigung immer relativ lange dauert. Nachdem diese beendet ist, fährt der Zug los und verlässt bald die Vororte von Straßburg. Durch die Ebene des Rheintals geht es bei strahlendem Sonnenschein mit maximal 200 km/h. Ich hatte die Größe des Elsass wohl unterschätzt, denn erst eine knappe Dreiviertelstunde später erreichen wir den nächsten Halt Mülhausen. Kurz vor dem Bahnhof treffen wir auf die Strecke Richtung Belfort, die wir gleich auch befahren werden. Am Abzweig stehen Schilder „Signaux à gauche“ – hier wird vom Rechtsverkehr der ehemals deutschen Gebiete auf den französischen Linksverkehr gewechselt. In Mülhausen müssen wir Kopf machen und begegnen bei dieser Gelegenheit auch dem verspäteten TGV nach Frankfurt. Nach der Abfahrt geht es also nun auf die Strecke nach Belfort, die wir für eine Weile benutzen, da der LGV Rhin-Rhône an den beiden Enden noch ziemlich große Stücke fehlen. Erst kurz vor Belfort biegen wir ab und beschleunigen, um aber bald wieder am Bahnhof Belfort-Montbéliard TGV zu halten. Bei mir fordert jetzt allerdings das frühe Aufstehen seinen Tribut, so dass ich von der schnellen Fahrt fast nichts mitbekomme. Als ich wieder aufwache, fährt der Zug gerade mit niedriger Geschwindigkeit über eine Verbindungskurve – das muss die um Dijon sein, wo wir den Bahnhof ohne Halt umfahren. Bald danach kommt ein großer Rangierbahnhof in Sicht: Gevrey-Triage steht am Stellwerk angeschrieben. Die Fahrt geht weiter in mäßigem Tempo durch eine recht liebliche Landschaft in immer noch strahlendem Sonnenschein, diesen werde ich übrigens die ganze Reise hindurch haben. In einem der durchfahrenen Dörfer steht ein aus dem Zug gut zu erkennender Hinweis, dass hier Nicéphore Nièpce die Fotografie erfand. Der Name des Ortes ist sinnigerweise nicht erkennbar, laut Wikipedia handelt es sich um Saint-Loup-de-Varennes. Da ich zwischendurch Hunger hatte und nicht nur von meinem Proviant zehren wollte, habe ich mir im Barwagen eine Packung Früchtekuchen besorgt. Der ist sehr lecker, allerdings auch relativ teuer (den genauen Preis weiß ich nicht mehr). Auf dem Gang durch den Zug kann ich mich auch davon überzeugen, dass die anderen Wagen deutlich voller sind als mein Ruhewagen.
Nach einem Halt in Mâcon und der Fahrt durch das idyllische Tal der Saône erreichen wir schließlich immer noch pünktlich die Außenbezirke von Lyon. Der Zug fährt sehr langsam (was mir auf meiner Reise noch öfter auffällt) durch das Vorfeld des Bahnhofs Part Dieu und hält schließlich am äußersten Bahnsteig. Nachdem ich ausgestiegen bin, wird durchgesagt, dass sich die Weiterfahrt Richtung Montpellier auf unbestimmte Zeit verzögert, was wohl an einer brandbedingten Streckensperrung liegt. Auf der Suche nach meinem Empfangskomitee laufe ich etwas ziellos durch die Bahnhofshalle, bis ich schließlich meiner Kusine begegne, die wegen einer Gleisänderung erst woanders gewartet hat. Sie bringt mich zum Parkhaus, wo meine Tante bereits mit dem Auto wartet. Gemeinsam fahren wir zu ihr und lassen den Abend auf der Terrasse und später mit Boeuf bourguignon ausklingen.

Tag 2

Sonntag, 25.03.12

Den Sonntag verbringe ich ohne Züge, aber trotzdem mit öffentlichem Verkehr: erst einmal schlafe ich gemütlich aus, und nach dem Frühstück macht meine Tante mit mir eine Auto-Rundfahrt durch die Lyoner Vorstädte, die ich bislang kaum kenne. Die Tour endet am Bahnhof Perrache am Rande der Innenstadt, von wo ich die Stadt auf eigene Faust erkunde. Ich laufe über den Place Bellecour, einen meiner Lieblingsplätze, und über die Saône zur Talstation der Standseilbahn. Dort kaufe ich mir eine Tageskarte (die sich nicht lohnen wird) und fahre damit auf den Fourvière-Hügel, von wo ich den Blick über die Stadt genieße. Zurück geht es wieder mit der Standseilbahn, dann mit der vollautomatischen Metrolinie D und der konventionellen Metrolinie B bis Part-Dieu, wo ich Fotos von der städtischen Straßenbahn und der zum Flughafen mache. Mit dem Obus geht es weiter zum Parc Tête d'Or, der wetterbedingt sehr voll ist. Auf der Rückfahrt stelle ich fest, dass die Linie C5 zum Bellecour-Platz erst in 20 Minuten fährt. Mein Versuch, stattdessen die Linie C4 zu nehmen, scheitert an deren Überfüllung. Auch die C5 ist schließlich überfüllt, ein zweiter Bus derselben Linie kommt aber, während der erste noch an der Haltestelle steht. Nachdem die Fahrgäste schließlich auf beide Busse verteilt sind, kann es schließlich losgehen, so dass ich zum Abendessen mit Tante und Kusine nur mit geringer Verspätung komme. Das findet in einem typischen Lyoner Lokal nicht weit vom Place Bellecour statt und ist sehr lecker. Zurück fahren wir wieder mit dem Auto.

Tag 3

Montag, 26.03.12

Lyon Part Dieu          ab 14.36 TGV 6818
Nice Ville              an 19.05

Wiederum schlafe ich aus und frühstücke ausgiebig, und dann steht auch schon fast die Abfahrt auf dem Programm. Meine Kusine bringt mich zum Bahnhof, wo mein Zug auf demselben Gleis abfährt, auf dem ich auch angekommen bin. Laut einer am Aufgang angebrachten Tafel wurde der Bahnsteig dort erst vor kurzem gebaut. Der Zug, ein TGV Duplex, wird einige Minuten vor der Abfahrt bereit gestellt. Anders als ich vermutet habe, kommt er nicht von Paris, sondern fährt nur von Lyon nach Nizza. Ich nehme meinen Platz auf dem Unterdeck ein. Dort hat man vielleicht eine nicht ganz so gute Aussicht, aber da die Wagenübergänge in den Oberdecks angebracht sind, ist es durch den fehlenden Durchgangsverkehr deutlich ruhiger. Fast pünktlich setzt sich der Zug in Bewegung und verlässt langsam Lyon. Was ich erst nach der Fahrt beim Blick auf die Karte bemerke, ist, dass es erst einmal Richtung Osten geht, wo nahe dem Flughafen der Anschluss an die NBS liegt. In dem Moment, als wir die Verbindungskurve dorthin durchfahren, fühle ich mich aufgrund der Gleisneigung fast wie im Flugzeug. Wir beschleunigen und fahren durch die relativ unspektakuläre Landschaft. In Valence TGV legen wir einen kurzen Stopp ein, nach dem mich schon wieder die Müdigkeit überkommt. Ich verschlafe also den Grenzübertritt in die Provence und wache erst beim Halt in Avignon TGV wieder auf. Dahinter ist die Landschaft schon sehr mediterran: der Boden ist mit niedrigen, relativ weit auseinanderstehenden, buschartigen Pflanzen bewachsen, Garrigue ist wohl der örtliche Ausdruck dafür. Außerdem fahren wir eine Weile am steinigen Bett der Durance entlang, bis wir uns schließlich von ihr abwenden. Den Bahnhof Aix-en-Provence TGV durchfahren wir ohne Halt. Nach einem langen Tunnel endet die NBS kurz vor Marseille, wo wir – wiederum langsam – auf den Kopfbahnhof Saint-Charles zufahren. Beim dortigen Aufenthalt begegnet mir ein rot-weißer Doppelstocktriebwagen mit dem Wappen des Fürstentums Monaco. Die meisten anderen Triebwagen dieser Baureihe sind hier blau und tragen nur das Wappen der Region Provence-Alpes-Côte d'Azur, das die „Monaco-Wagen“ außerdem noch haben.
Nach dem Halt in Marseille geht die Fahrt zunächst durch die Vorstädte der zweitgrößten Stadt Frankreichs. Hinter Aubagne durchfahren wir zwei lange Tunnel, und danach beginnt ein sehr idyllischer Abschnitt an der Küste, an der auch unser nächster Halt Toulon liegt. Dahinter schwenkt die Strecke erst einmal ins Landesinnere ab, bevor wir bei Fréjus wieder das Meer erreichen. Hier beginnt der wohl sehenswerteste Teil der Strecke, der sich zwischen dem Massif de l'Esterel und der Côte d'Azur durch viele Kurven, kurze Tunnel und über Viadukte windet. Eins davon ist das häufig fotografierte in Anthéor-Plage, das dank seiner Lage in einer Kurve auch gut aus dem Zug zu erkennen ist. Im Licht der Abendsonne ist der Blick auf die Küste natürlich gleich doppelt so schön, so dass ich mir die Nase regelrecht am Fenster plattdrücke. Nach den Halten in Cannes und Antibes erreichen wir schließlich fast pünktlich den Bahnhof von Nizza, meinem Quartier für die nächsten zwei Tage. Meine Unterkunft ist ein sehr gutes Hostel fünf Gehminuten vom Bahnhof entfernt. Dort angekommen, lade ich mein Gepäck ab und mache mich gleich auf den Weg, die Stadt zu erkunden. Mit einem Bummel am Strand entlang lasse ich den Tag ausklingen.

Tag 4

Dienstag, 27.03.12

Nice Ville              ab 10.55 TER 86025
Monaco-Monte-Carlo      an 11.17

Am nächsten Tag möchte ich einen Tagesausflug nach Monaco machen. Die Züge dorthin, die aus den schon in Marseille beobachteten Doppelstocktriebwagen gebildet sind, fahren praktischerweise im Halbstundentakt (für französische Verhältnisse ungewöhnlich) und brauchen nur zwanzig Minuten. Den Fahrschein will ich am Bahnhof in Nizza aus einem Automaten ziehen, Kostenpunkt für die Hin- und Rückfahrt: ... Dummerweise habe ich den Betrag nicht in Münzen parat, und der Automat akzeptiert keine Scheine. Der Versuch, mit Kreditkarte zu zahlen, endet mit dem Hinweis „Paiement refusé“ (Zahlung abgelehnt). Also stelle ich mich in die Schlange am Reisezentrum, wo mich eine offensichtlich russische Frau fragt, ob man denn dort Fahrscheine nach Monaco kaufen könne. Ich antworte „Ich hoffe ja“, und als ich endlich dran bin, wird die Hoffnung auch nicht enttäuscht. Also steige ich in den nächsten Zug, wo ich auch prompt kontrolliert werde. An der übernächsten Station fällt mir das hübsche Örtchen Villefranche-sur-Mer auf, das ich mir gleich für einen Besuch vormerke. Bald erreiche ich meinen Zielbahnhof Monaco-Monte-Carlo, der vollständig in einem Tunnel liegt. Bis ans Tageslicht sind einige hundert Meter zu gehen, so tief liegt der Bahnhof im Felsen.
In der Folge erkunde ich das kleine Fürstentum (insgesamt mein 26. Land) von West nach Ost: Altstadt mit Fürstenpalast und Kathedrale, Hafen, Casino, Japanischer Garten. Als Abschluss möchte ich mir noch den Exotischen Garten ansehen, der ganz am anderen Ende des Stadtstaates liegt. Da ich nicht mehr laufen möchte, warte ich auf den nächsten Stadtbus, der mich zurück zum Casino bringt. Kostenpunkt für eine Fahrkarte: 1 Euro. Am Casino muss ich umsteigen. Dabei zeige ich im Vorbeigehen den Fahrschein dem Fahrer vor, der mich aber aufhält und mich erst nach dem Erstellen eines zweiten Belegs („Contremarque“) durchgehen lässt, den er mir in die Hand drückt. Es gibt schon eine Menge merkwürdiger Tarifsysteme ... Am Exotischen Garten angekommen, besichtige ich diesen und die darinliegende Tropfsteinhöhle, was mich nachher zum Grübeln darüber bringt, ob ich dem sehr netten Gästeführer dort nicht ein Trinkgeld hätte geben sollen.

Monaco-Monte-Carlo      ab 16.13 TER 86038
Nice Ville              an 16.35

Darüber nachdenkend, fahre ich auf direktem Wege zurück nach Nizza, wo ich noch ein bisschen durch die Altstadt laufe und in einem preiswerten, aber guten chinesischen Restaurant zu Abend esse. Den Rückweg zur Herberge trete ich mit der Straßenbahn an, nachdem mir ein Passant an der Haltestelle den Automaten erklärt hat (Fahrpreis wiederum 1 Euro).

Tag 5

Mittwoch, 28.03.12

Nice Ville              ab 10.26 TER 86023
Villefranche-sur-Mer    an 10.32

Für den zweiten und letzten Tag in Nizza habe ich nach dem schönen Anblick am Vortag erst einmal einen Besuch in Villefranche-sur-Mer vor. Ich kaufe also eine Fahrkarte – mangels Kleingeld wieder am Schalter – und warte auf den nächsten Zug. Der bringt mich in wenigen Minuten in den Küstenort, dessen Bahnhof direkt am Strand liegt. Ich sitze eine Weile am Meer, gehe dann in die sehr hübsche Altstadt und schließlich zurück zum Bahnhof.

Villefranche-sur-Mer    ab 12.28 TER 86022
Nice Ville              an 12.35 

Da ich mir die Taktzeiten gemerkt habe, bin ich der Meinung, dass bald ein Zug kommen müsste, werde aber durch den Blick auf die Anzeigetafel eines Besseren belehrt: genau jetzt ist eine einmalige Taktlücke, so dass ich eine Dreiviertelstunde warten muss. Für die Gegenrichtung gilt dasselbe, so dass auch das Fotografieren des Gegenzugs flachfällt. Letzterer trifft dann zur planmäßigen Zeit ein – mit einer führenden Monaco-Garnitur, die ich aber nicht fotografieren kann, weil Sekunden später mein eigener Zug eintrudelt. Mit diesem fahre ich zurück nach Nizza, wo ich zunächst im SB-Restaurant „flunch“ esse – preiswert, aber nicht wirklich gut. Danach gehe ich zum Bahnhof der Chemins de Fer de la Provence, die den berühmten „Train des Pignes“ betreibt. Eine Mitfahrt hatte ich auch überlegt, aber letztendlich wollte ich bei dem schönen Wetter lieber draußen sein und auch mehr Zeit für Monaco haben. Ich mache ein paar Fotos von den dort abgestellten Triebwagen und fahre mit der Straßenbahn in die Altstadt, wo ich noch eine Runde drehe, bevor ich im Hostel mein Gepäck abhole und zum Bahnhof gehe.

Nice Ville              ab 17.34 TGV 6180
Avignon TGV             an 20.28
Avignon TGV             ab 21.09 Bus 49192
Avignon Poste           an 21.19

Während ich noch zum Fotografieren durch den Bahnhof spaziere, wird auf dem Hausbahnsteig mein Zug aus einer Doppeltraktion TGV Duplex bereit gestellt. Der hintere Zugteil ist jedoch ein so genannter iDTGV, der formal von einer privatrechtlichen Tochtergesellschaft der SNCF betrieben wird und nur online gebucht werden kann. Da man offensichtlich die Fahrgäste im Zug nicht mit Kontrollen belästigen möchte, wird hier bereits am Zugang zum Bahnsteig kontrolliert. Dafür ist der Teil des Bahnsteigs, an dem der betreffende Zugteil hält, abgesperrt. Auch die anderen Bahnsteige sind zu diesem Zeitpunkt nur nach Vorzeigen des Fahrscheins zugänglich, es gibt aber nur eine Kontrolle für alle Bahnsteige. In meinen Zugteil komme ich daher ohne weitere Kontrolle und freue mich, dass ich wieder einen Platz an der linken und damit dem Meer zugewandten Seite habe, außerdem noch im oberen Deck.
Mit einigen Minuten Verspätung, deren Grund sich nicht erkennen lässt, geht es los, und ich genieße das Küstenpanorama wieder genau so wie auf der Hinfahrt und schaue gleichzeitig auf meiner Karte, wo wir gerade sind. Hinter Fréjus geht es wieder ins Landesinnere, wo der Zug allerdings nach einiger Zeit am Bahnhof Les Arcs-Draguignan stehen bleibt. Eine Durchsage gibt bekannt, dass sich die Weiterfahrt auf unbestimmte Zeit verzögere, den Grund habe ich nicht verstanden. Der sehr nette ältere Herr auf dem Nebensitz klärt mich auf: Vor uns ist die Strecke durch einen brennenden Zug blockiert. Ich richte mich auf einen längeren Aufenthalt ein, aber zum Glück geht es schon nach etwa zehn Minuten weiter, wieder mit Kurs auf die Küste, wo wir noch in Toulon halten. Den Kopfbahnhof von Marseille dagegen, immerhin zweitgrößte Stadt Frankreichs, umfahren wir ohne Halt. Inzwischen ist es dunkel, und wir fahren auf die mir inzwischen bekannte Hochgeschwindigkeitsstrecke ein. Mit etwa zwanzig Minuten Verspätung erreichen wir den TGV-Bahnhof am Rande von Avignon. Der Zug wird von hier aus ohne Halt bis Paris fahren – ich stelle mir einen deutschen Zug vor, der von Garmisch-Partenkirchen kommend ein paar Halte in den Alpen abklappert, München Hbf jedoch umfährt und nach einem Halt in Ingolstadt nonstop nach Berlin fährt ... Mit diesem nicht uninteressanten Gedanken steige ich aus und betrete den Bahnsteig, der interessanterweise aus imprägnierten Holzbohlen besteht.
In Avignon TGV soll ich in einen Bus umsteigen, dieser wird von den örtlichen Verkehrsbetrieben gestellt und steht schon vor dem Bahnhof bereit – ohne die Verspätung hätte ich noch länger warten müssen. Ich zeige dem Fahrer meine Bahnfahrkarte, er gibt mir dafür einen kostenlosen Busfahrschein, der entwertet und bei einer etwaigen Kontrolle zusammen mit dem Bahnfahrschein vorgezeigt werden muss. Gut gefüllt fährt der Bus los und kommt bald an der Endstation an der Post gegenüber des Stadtbahnhofs an. Um dorthin zu kommen, muss man durch eine Lücke in der historischen Stadtmauer gehen – das Einzige, was ich in diesem Urlaub von der Papststadt sehe.

Avignon Centre          ab 21.40 TER 76433
Nîmes                   an 22.10

Im Bahnhof angekommen, verbringe ich noch einige Zeit in der Bahnhofshalle, bevor ich zum Gleis gehe. Offensichtlich gibt es hier mehr Stumpf- als Durchgangsgleise, wobei die einen mit Buchstaben, die anderen mit Nummern bezeichnet sind. Nach dem Durchqueren der Unterführung sehe ich eine Halle, die offensichtlich für die Abfertigung der hier saisonal verkehrenden Eurostars genutzt wird. Mein Zug, ein Autorail Grande Capacité in rot-weißer Lackierung der Region Languedoc-Roussillon, steht außerhalb der Überdachung an einem Stumpfgleis bereit. Ich setze mich auf einen freien Platz, stelle meinen Rucksack neben mich, und bald geht es los. Wenn ich mich recht erinnere, überqueren wir bald nach der Abfahrt die Rhône und nutzen so die nördlichere der beiden Strecken von Avignon nach Nîmes. Einen Zwischenhalt gibt es auf der halbstündigen Fahrt jedenfalls nicht. Mein Etappenziel Nîmes erreichen wir pünktlich, so dass ich schnell zu meinem Hotel gehen kann, das schräg gegenüber vom Bahnhof liegt, und dort mein Einzelzimmer beziehen kann (Jugendherbergen gibt es in Nîmes anscheinend nicht).

Tag 6

Donnerstag, 29.03.12

Nîmes Gare Routière     ab 11.30 Bus B21
Rond-Point Pont du Gard an 12.15

Für den sechsten Tag habe ich einen Besuch am Pont du Gard vorgesehen, den ich vor fast genau zwanzig Jahren schon einmal gesehen habe. Die Busverbindungen von Nîmes dorthin sind praktischerweise auf der Website des Pont du Gard angegeben und für touristische Zwecke an Werktagen einigermaßen ausreichend. Nachdem ich noch ein wenig eingekauft habe, stelle ich mich an den betreffenden Bussteig, wo schon bald der Bus der departementseigenen Busgesellschaft Edgard bereitgestellt wird. Die Fahrerin ist ausländisches Publikum anscheinend gewohnt und wechselt gleich nach meiner Bitte eines Fahrscheins zum Pont du Gard in Zeichensprache. Durch Vororte von Nîmes und über die Landstraße fahren wir nach Remoulins, wo alle Fahrgäste den Bus wechseln müssen. Das steht nicht im Fahrplan, wird aber von der Fahrerin deutlich angesagt. Bald danach erreichen wir den Kreisverkehr nahe dem Pont du Gard, von wo es noch etwa 1 Kilometer zu laufen ist.

Rond-Point Pont du Gard ab 14.15 Bus B21
Uzès Esplanade          an 14.54

Nach ausgiebiger Besichtigung des römischen Monuments gehe ich zwei Stunden später zurück zur Haltestelle. Im Reiseführer hatte ich gelesen, dass man bei einem Besuch des Pont du Gard auch einen Abstecher nach Uzès einplanen sollte, was mit derselben Buslinie möglich ist. Da die Sonne immer noch brennt und es an der Haltestelle keine Möglichkeit gibt, im Schatten zu sitzen, lasse ich mich um die Ecke auf einem Betonpoller nieder. Als der Bus kommt, kaufe ich einen Fahrschein (eine Edgard-Fahrt kostet unabhängig von der Entfernung immer 1,50 Euro) und lasse mich nach Uzès bringen. Der Weg dorthin verläuft durch Castillon-du-Gard, einen weiteren sehr idyllischen Ort. Hier auszusteigen, ist angesichts des dünnen Bustakts allerdings nicht sinnvoll. Nach einer knappen Dreiviertelstunde umwegiger Fahrt durch kleine Dörfer erreichen wir schließlich Uzès, wo ich mir im Schnelltempo die Altstadt anschaue, denn bis zum nächsten Bus habe ich nur eine halbe Stunde Zeit. Die Stadt entpuppt sich aber tatsächlich als sehr sehenswert.

Uzès Esplanade          ab 15.36 Bus B21
Nîmes Gare Routière     an 17.00

Da ich auf der breiten Esplanade keine Bushaltestelle in Gegenrichtung gesehen habe, stelle ich mich wieder an die Haltestelle, an der ich angekommen bin. So richtig geht aus den Informationen dort nicht hervor, ob das richtig ist, aber ich habe Glück: Fast pünktlich zur im Fahrplan angegebenen Zeit taucht der Bus nach Nîmes auf. Ich steige ein und finde im Gegensatz zur Hinfahrt jede Menge Schüler vor, die in Frankreich ja erst nachmittags Schulschluss haben. Die Fahrt führt wieder über dieselben kleinen Dörfer, allerdings teilweise in anderer Reihenfolge. Die direkte Strecke von Nîmes nach Uzès wäre wesentlich kürzer, aber dort fahren die Busse nicht so oft. Auch auf der Rückfahrt müssen wir wieder alle in Remoulins umsteigen, und nach einer doch etwas anstrengenden Fahrt komme ich schließlich wieder in Nîmes an, wo ich mir zunächst ein Pflaster gegen meine Blase am Fuß kaufe und mir dann noch ein wenig die Stadt ansehe.

Tag 7

Freitag, 30.03.12

Nîmes                   an 10.38 TER 77553
Aigues-Mortes           an 11.16

Heute soll es wieder Richtung Meer gehen: zunächst nach Aigues-Mortes, das am Rande der Camargue kurz vor der Küste liegt, und dann eventuell in den Badeort Le Grau-du-Roi. Die Strecke dorthin wird nicht oft befahren, aber um 10.38 Uhr gibt einen passenden Zug. Die Fahrkarte will ich am Automaten kaufen, aber dafür fehlt mir wiederum das nötige Münzgeld, und auch im Languedoc-Roussillon nehmen die regionalen Fahrscheinautomaten keine Scheine. Ich gehe daher an den Schalter, wo man mir erklärt, dass ich gar keine reguläre Fahrkarte (für über 15 Euro) kaufen muss, sondern es einen Sondertarif gibt, mit dem ich für einen Euro hin und zurück fahren kann. Den hatte ich am Automaten auch schon gesehen und nur nicht gewusst, dass er für diese Strecke gedacht ist. Am Schalter gibt es den Fahrschein nicht, also zurück zum Automaten und den Fahrschein gekauft (dafür reicht mein Kleingeld noch). Dann auf zum Bahnsteig, wo ich nacheinander den Halt von einigen TGV- und anderen Zügen erleben kann. Mein Zug, ein Autorail Grande Capacité (AGC), kommt dagegen erst mit einiger Verspätung, offensichtlich von einer anderen Strecke, da sich noch Passagiere darin befinden. Nachdem diese aus- und die neuen Fahrgäste eingestiegen sind, geht es los. Der erste Halt ist in Saint Cézaire, das noch an der Haupstrecke nach Montpellier liegt. Erst dahinter biegen wir auf die eingleisige, nicht elektrifizierte Strecke Richtung Küste ab. Die Landschaft wird immer flacher, und der Zug durchfährt einige Langsamfahrstellen. In einigen Unterwegsbahnhöfen fährt der Zug durch und hält erst wieder in Vauvert, etwa auf halber Strecke zwischen Nîmes und der Küste. Kurz vor Aigues-Mortes ist schließlich die typische Sumpflandschaft der Camargue zu erkennen. Der Zug hält im Bahnhof am Rande des Ortes, wo es ein Ausweichgleis und einen anscheinend völlig von Hand mithilfe einer Signallaterne durchgeführten Betrieb gibt. Der Zug fährt weiter, während ich mir erst einmal ausgiebig den schönen Ort anschaue.
Nachdem ich mir einen ersten Eindruck verschafft habe, habe ich die Idee, den Zug, der um 12.50 Uhr zurück kommt, zu fotografieren. Gerne hätte ich das mit der historischen Stadtmauer im Hintergrund getan, aber ist dort kein Platz zwischen Straße und Hafenbecken. Außerdem ist wegen der dann geschlossenen Schranke ein Rückstau an Autos zu befürchten. Also gehe ich zurück zum Bahnhof, wo ich im Warteraum eine Broschüre über den TGV lese. Sogar einen Fahrkartenschalter gibt es hier, obwohl auch zur Hochsaison nicht mehr als drei Zug- und vier Ersatzbuspaare pro Tag verkehren. Der Schalter hat gerade Mittagspause und macht erst kurz vor Abfahrt des Zuges wieder auf. Tatsächlich kommen in der Zwischenzeit einige Fahrgäste vorbei und fragen mich, wo man denn Fahrkarten kaufen könne – einen Automaten gibt es hier nämlich nicht. Als der Schalter wieder offen hat und die Abfahrt des Zuges näher rückt, gehe ich zum Bahnsteig, der dem Abfahrtsbahnsteig gegenüberliegt, um besser fotografieren zu können. Das stört hier niemanden, allerdings muss ich etwas länger warten, denn der Zug hat auf den sechs Kilometern von Le Grau-du-Roi anscheinend Verspätung eingefahren. Schließlich kann ich aber mein Foto machen und gehe wieder in die Stadt.

Aigues-Mortes Gare     ab 15.13 Bus C32
Le Grau-du-Roi Gare    an 15.25

Für den weiteren Verlauf des Tages überlege ich, erst auf die Stadtmauer zu gehen und dann nach Le Grau-du-Roi weiterzufahren. Da die Kasse für ersteres aber Mittagspause hat, gehe ich zunächst in ein Internet-Café. Weiter geht es dann, nachdem beides erledigt ist, mit einem Edgard-Bus, der hier das spärliche Angebot der SNCF verstärkt. Er fährt durch die schöne Landschaft mit den verschiedenfarbigen Salinenbecken. In Le Grau-du-Roi steige ich am Bahnhof aus und erkunde den Ort, der allerdings von Betonburgen geprägt ist. An der Strandpromenade entdecke ich einen Fahrradverleih, bei der ich mir einen Drahtesel miete und damit an der Küste entlang fahre. Bis zur sehr sehenswerten Dünenlandschaft an der Pointe de l'Espiguette komme ich gerade eben, dann muss ich umdrehen, damit ich den Bus zurück nach Nîmes noch erreiche. Jetzt habe ich natürlich Gegenwind, aber trotzdem kann ich das Rad pünktlich zurück geben und erreiche auch den Bus noch.

Le Grau-du-Roi          ab 17.12 TER Bus
Nîmes                   an 18.22

Ich zeige meinen 1-Euro-Fahrschein von der Hinfahrt vor, der Fahrer setzt einen Stempel auf die Rückseite. Der Bus ist fast voll besetzt, aber trotzdem habe ich das Glück, dass der Platz neben mir frei bleibt. Wie das mit Ersatzbussen so ist, dauert die Fahrt länger als mit dem Zug. Ich verbringe die Zeit mit dem Lesen von weiteren Broschüren der SNCF, die ich am Bahnhof mitgenommen habe, bis wir wieder Nîmes erreichen.
Dort hatte ich eigentlich vor, nur noch kurz Proviant zu kaufen, mein Gepäck aus dem Hotel zu holen und dann nach Marseille weiter zu fahren. Die große Anzeigetafel kündigt aber bereits jetzt meinen Zug mit 50 min Verspätung wegen eines Böschungsbrandes (incendie aux abords des voies) an. Also kommt zu den geplanten Dingen auch noch das Abendessen, das ich in einem chinesischen Schnellrestaurant einnehme.

Nîmes                   ab 19.10 TER 76508
Marseille St Charles    an 20.50

Als ich wieder an den Bahnhof komme, ist die Strecke anscheinend wieder offen, und der entstandene Stau wird abgearbeitet. Im Fünfminutentakt fahren Züge Richtung Avignon, und auch mein Zug, bestehend aus zwei Elektro-AGC mit Languedoc-Roussillon-Lackierung taucht schließlich mit ziemlich genau 50 Minuten Verspätung auf. Eine Menge Reisende steigen aus und ein, und weiter geht es auf der Strecke über den Keilbahnhof Tarascon und Arles. Von der Weiterfahrt entlang am Etang de Berre bekomme ich nicht mehr allzuviel mit, da es inzwischen dunkel ist. Aber immerhin kann man den Flughafen von Marseille von einer Anhöhe aus sehen. Weiterhin etwa 50 Minuten nach der planmäßigen Zeit erreichen wir schließlich den Bahnhof Saint Charles. Auch hier habe ich es wieder nicht weit zu meiner Unterkunft, die ich beziehe und dann noch einen Abstecher zum alten Hafen mache.

Tag 8

Samstag, 31.03.12

Am letzten Tag meiner Südfrankreich-Tour besichtige ich Marseille: zunächst zu Fuß wieder zum alten Hafen, dann ins Panier-Viertel, wo sich auch die Cathédrale de la Major befindet. Zur anderen berühmten Kirche, Notre-Dame de la Garde, fahre ich mit dem Bus. Das Tagesticket, das ich eigentlich kaufen will, gibt es beim Fahrer nicht, also nehme ich einen Einzelfahrschein, der eine Stunde für beliebige Fahrten gültig ist. Der Bus ist so rappelvoll mit Touristen, dass er an der zweiten Haltestelle niemanden mehr einsteigen lassen kann. Oben angekommen, schaue ich mir die Kirche und den Blick auf die Stadt an und fahre dann wieder zurück. Da die Stunde inzwischen herum ist, muss ich ein neues Ticket kaufen. Der Bus ist genau so voll, und so bin ich froh, als ich wieder aussteigen kann. Als nächstes stehen ein kurzer Besuch der von Le Corbusier entworfenen Cité Radieuse sowie natürlich eine Fahrt mit der Metro an. Anschließend mache ich noch am Bahnhof einige Fotos von Zügen und Bussen, ruhe mich in der Herberge kurz aus und esse dann in einem günstigen italienischen Restaurant nicht weit vom alten Hafen zu Abend.

Tag 9

Sonntag, 01.04.12
Marseille St Charles    ab  8.14 TGV 9582
Frankfurt (Main) Hbf    an 15.58

Am Abreisetag heißt es früh aufstehen, denn schon um Viertel nach acht fährt der direkte TGV nach Frankfurt – keine gute Zeit für Touristen, die noch weiter entlang der Côte d'Azur logieren. Mir dagegen fällt das frühe Aufstehen ausnahmsweise nicht schwer, denn es steht ja eine spannende Fahrt an. Ich packe meine Sachen zusammen und verabschiede mich von meiner Zimmergenossin. Zum Glück ist es ja nicht weit zum Bahnhof, wo der Zug schon im neuen, weniger sehenswerten, Teil der Halle bereit steht. Von außen sieht der neue TGV Euroduplex aus wie ein „normaler“ Duplex. Im UIC-Raster sind jedoch die Länder D und CH mit angegeben, was ich mangels Batteriespannung in der Kamera nicht fotografieren kann. Also nehme ich stattdessen meinen Platz im oberen Stock von Wagen 8 ein. Die Einrichtung wirkt etwas heller als im herkömmlichen Duplex, auffällig sind aber vor allem die Infomonitore und die Reservierungsanzeigen über den Sitzen. Beide wechseln kontinuierlich zwischen Französisch, Deutsch und Englisch.
Pünktlich um 8.14 Uhr geht es los: Der Zug fährt über das Gleisvorfeld und die Altstrecke und erreicht schon bald den Beginn der LGV Méditerranée, die mir ja nun wohlbekannt ist. Die hohe Geschwindigkeit kann er allerdings nicht lange beibehalten, denn schon nach gut zehn Minuten steht ein Halt in Aix-en-Provence TGV an. Etwas länger brauchen wir von dort bis Avignon. Dahinter überqueren wir die Rhône und fahren durch eine Dreiecksverzweigung, die die Führung von TGV Richtung Nîmes gestattet. Zunächst geht es an der Rhône entlang, später verläuft die Strecke aber etwas weiter im bergigen Landesinneren, wo ich zum ersten Mal seit über einer Woche eine geschlossene Wolkendecke sehe. Valence TGV durchfahren wir ohne Halt, und um kurz vor zehn Uhr erreichen wir Lyon, wo der Zug einige Minuten Aufenthalt hat. Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2011 gibt es hier zur vollen Stunde einen Korrespondenzanschluss zwischen mehreren TGVs – für die bisher nicht sehr taktaffine SNCF ein absolutes Novum! Ab hier ist der Platz neben mir besetzt, was mich aber nicht weiter stört, da ich diesmal die relativ langsame Fahrt auf der Altstrecke für ein Schläfchen nutze. Als ich aufwache, sehe ich als erstes den mir schon wohlbekannten Rangierbahnhof von Gevrey und die Verbindungskurve um Dijon. Von dort bis zum Beginn der LGV Rhin-Rhône fahren wir noch eine ganze Weile, aber dann ist es soweit: Der Zug biegt ab und gewinnt an Geschwindigkeit. Eine ununterbrochene Hochgeschwindigkeitsfahrt gibt es aber auch diesmal nicht, denn wir halten in Besançon Franche-Comté TGV, wo auf dem Nachbargleis der Shuttle-„Blauwal“ bereit steht und in Belfort-Montbéliard TGV, wo die Bahnsteiggleise interessanterweise in der Mitte zwischen den Durchfahrgleisen liegen.
Sehr bald danach ist schon das (vorläufige) Ende der Schnellfahrstrecke erreicht, und wir fahren noch eine Weile auf der Altstrecke, bis wir wieder Mulhouse erreichen. Der Aufenthalt ist diesmal kurz, da wir nicht Kopf machen, sondern die Strecke nach Straßburg auf einer anderen, aber etwas längeren Verbindung erreichen. Wie schon auf der Hinfahrt geht es in relativ hohem Tempo durch die Rheinebene. Nach einiger Zeit kommt eine Durchsage, dass wir aus technischen Gründen heute in Straßburg umsteigen müssen. Meiner Sitznachbarin ist aus deutsche Version der Ansage wohl nicht hinreichend klar geworden, was los ist. Da sie nicht weiß, ob ich Deutsch spreche, fragt sie andere deutsche Mitreisende und bekommt von ihnen die korrekte Auskunft. Nach und nach versammeln sich alle Passagiere im Einstiegsraum, während ich keinen Grund zur Hektik sehe, ist es bis Straßburg doch noch eine Weile zu fahren. So sitze ich fast alleine im Großraum und nutze die Gelegenheit, ein Foto davon zu machen.
Den Bahnhof von Straßburg erreichen wir pünktlich um 13.44 Uhr. Hier scheint auch wieder die Sonne, es ist nur deutlich kühler als an der Mittelmeerküste. Unser Ersatzzug steht bereits am selben Bahnsteig bereit. Es ist ein TGV POS mit einem besonderen Triebkopf, nämlich dem, der fast genau vor fünf Jahren, am 3. April 2007, die Rekordgeschwindigkeit von 574,8 km/h erreicht hat. Alle Fahrgäste, die weiter fahren wollen, steigen um. Der von mir befürchtete Platzmangel bleibt offensichtlich aus, auch wenn natürlich die Platzreservierungen jetzt Makulatur sind. Ich sichere mir einen Platz im abteilartigen Bereich direkt hinter den Triebkopf, wo außer mir nur zwei Fahrgäste sitzen, die sich aber bald wieder umsetzen. Einziger Nachteil sind die merkwürdig horizontal geteilten Fenster, die ein wenig die freie Sicht nach draußen behindern.
Erstaunlicherweise verlassen wir trotz der Umsteigeaktion Straßburg pünktlich. Kurz bevor wir die Rheinbrücke und damit die Grenze überqueren, gehen zwei Bundespolizisten durch den Zug, ohne aber die Fahrgäste zu kontrollieren. Kehl, Kork und Legelshurst durcheilen wir diesmal ohne Halt. Kurz dahinter hält der Zug kurz an, um einen entgegenkommenden TGV durchzulassen – die Verbindungskurve in Appenweier ist eingleisig. Nach dem wir letztere passiert haben, fahren wir auf die Rheintalbahn, wo wir noch in Baden-Baden halten. Bei der Weiterfahrt durch das immer noch frühlingshaft sonnige Rheintal sehe ich an der Strecke jede Menge Leute mit Kameras stehen, die wahrscheinlich alle auf den Euroduplex gewartet haben und jetzt enttäuscht werden. In Karlsruhe müssen wir einen anderen ICE passieren lassen. Ich beobachte das Schauspiel von der Tür aus, während ein Mann mittleren Alters vorbei geht und ungefragt sein Wissen und seine Meinung über die Eisenbahn zum Besten gibt. Weiter geht es über die NBS Karlsruhe–Mannheim, wo uns dann auch der Gegenzug nach Marseille begegnet, ganz regulär aus einem Euroduplex gebildet. Nach dem Halt in Mannheim und der flotten Fahrt über die Riedbahn erreichen wir fast pünktlich Frankfurt/Main Hbf auf Gleis 1, obwohl Züge aus Richtung Mannheim sonst eher auf den Gleisen mit den hohen Nummern enden. Ich steige aus und stelle fest, dass mein Anschlusszug bereits jetzt mit 10 Minuten Verspätung angekündigt ist, obwohl er hier beginnt. Also begebe ich mich noch ein wenig in die Lounge, die ich als treuer Kunde zurzeit nutzen darf.

Frankfurt (Main) Hbf    ab 16.21 ICE 229
Aschaffenburg Hbf       an 16.50

Rechtzeitig vor der verspäteten Abfahrt entere ich den Zug und suche mir einen nicht reservierten Platz, den ich schließlich an einem Tisch finde. Die Verspätung, so habe ich inzwischen erfahren, kommt durch Warten auf Anschlussreisende zustande, für die dies immerhin der letzte Zug des Tages nach Wien ist. Als der verspätete Zubringerzug schließlich eingetroffen ist, fahren wir los und erreichen nach einem Zwischenstopp in Hanau ohne weitere Komplikationen Aschaffenburg. Ich steige aus und begebe mich, da ich noch nichts Richtiges gegessen habe, erst einmal zu einem Döner-Imbiss gegenüber dem Bahnhof. Nachdem ich dort meinen Dönerteller genossen habe, fahre ich mit dem Bus zurück nach Hause und lasse dort die Erinnerungen an diese sehr schöne Reise ausklingen. Wetter, Züge, Städte, Landschaften – es hat einfach alles gepasst!

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Letzte Änderung dieser Seite: 19.05.2012