Jan Zbikowski – Busse & Bahnen
Homepage Busse & Bahnen Sprachen
Blog
Fotos
Themenseiten
Reiseberichte
Statistiken
Studienarbeit
BAHN-Netze
Links

Busse & Bahnen > Reiseberichte > NRW 2005

Reisebericht NRW-Tour 18.9.05

Planung
Tour

Planung

Im Frühjahr 2002 hatte ich bei einem Quiz von PRO BAHN einen Gutschein für ein Schöner-Tag-Ticket NRW gewonnen. Nachdem ich schon lange geplant hatte, ihn für eine Bahn-Rundfahrt durch NRW einzulösen, machte ich im September 2005 endlich Nägel mit Köpfen: Es sollte sozusagen im Uhrzeigersinn um den VRR herumgehen, um einige Strecken am Niederrhein und im Münsterland zu befahren, die mich interessierten. Auf der Tour würden mich Lubi, eine ebenfalls bahnbegeisterte gute Freundin von mir und Ben, ihr Freund, begleiten.

Tour

Sonntag, 18.9.05

Recklinghausen Hbf  ab  9.51 RB 22220
Essen Hbf           an 10.14

Nachdem alle Vorbereitungen getroffen sind (Termin abgesprochen, Route geplant, Gutschein eingelöst, per Briefwahl gewählt), fahre ich mit dem Bus, in dem das STT praktischerweise auch gilt, zum Bahnhof Recklinghausen und von dort nach Essen. Die halbe Stunde Wartezeit bis zur Abfahrt des RE 2 vertreibe ich mir in der Bahnhofsbuchhandlung. Sowohl der Zug als auch meine Reisebegleiter treffen pünktlich ein, so dass es wie geplant in Richtung Duisburg losgehen kann.

Essen Hbf           ab 10.45 RE 10212
Duisburg Hbf        an 10.57
Duisburg Hbf        ab 11.10 RB 22114
Xanten              an 11.55

Unterwegs stellt sich heraus, dass wir doch ein wenig umdisponieren müssen, weil Ben noch sein Wahlrecht wahrnehmen möchte. Zunächst steigen wir aber wie geplant in den „Niederrheiner“ nach Xanten um, das zweite Mal, dass ich in einem DB-Talent fahre. Bis Rheinhausen kenne ich die Strecke schon, danach beginnt für mich Neuland. Wir biegen von der Strecke nach Krefeld ab, die Güterstrecke aus Hohenbudberg gesellt sich zu uns, so dass wir bis Moers viergleisig unterwegs sind. Hinter Moers, einer der kleinsten deutschen Großstädte mit immerhin vier Bahnsteigkanten, bleiben noch zwei Gleise übrig. Erst am Betriebsbahnhof Rheinkamp einige Kilometer weiter, an dem Kohlewagen in langen Schlangen abgestellt sind, wird es eingleisig. Von nun an durchqueren wir die tischebene Landschaft des Niederrheins, die in der Spätsommersonne ohne eine Wolke am Himmel besonders idyllisch wirkt. In Millingen endet der Fahrdraht, hier befindet sich der Anschluss eines Chemiewerkes, der wohl der Grund für die Elektrifizierung war. Nun werden die Abstände zwischen den verbleibenden Bahnhöfen (Alpen und Xanten) größer, bis wir schließlich pünktlich die Endstation erreichen. Ob die Strecke in ihrem (ehemaligen) weiteren Verlauf nach Kleve noch existiert, kann ich leider nicht erkennen, zumal wir uns nun auch zum Busbahnhof begeben, um den Bus nach Wesel zu finden.

Wie sich herausstellt, fährt dieser sonntags nur alle zwei Stunden (ich hatte die Tour ursprünglich für einen Samstag geplant). Statt eine Stunde zu warten, disponieren wir also nun um und beschließen, wieder zurück nach Duisburg zu fahren. Von dort soll es weiter nach Dortmund gehen, wo Ben aussteigen will. Lubi und ich wollen bis Rheda-Wiedenbrück sitzen bleiben und die ursprünglich geplante Tour in umgekehrter Reihenfolge machen.

Xanten              ab 12.00 RB 22123
Duisburg Hbf        an 12.45
Duisburg Hbf        ab 13.15 RE 29623
Bielefeld Hbf       an 14.58

Mit demselben 643er heißt es nun „Kommando zurück“. Diesmal sitzen wir aber näher am Führerstand, so dass ich dem Tf ein wenig über die Schulter sehen kann. Ich finde es immer wieder überraschend, wie anders die Strecke aus Lokführersicht aussieht und freue mich, dass ich inzwischen die meisten Signale richtig deuten kann. Außerdem mache ich mir Notizen zur Lage der Bahnsteige, um mein BAHN-Netz realistischer gestalten zu können. Zurück in Duisburg plündern wir die Bahnhofsdrogerie und -gastronomie und stellen fest, dass unser RE 6 Verspätung hat: die zunächst angekündigten 10 min werden bald zu 15 und schließlich 20. Uns macht das wenig, da unsere vorgesehene Umsteigezeit in Dortmund bzw. Rheda lang genug ist und wir so in Ruhe aufessen können. Der Zug trifft schließlich ein und fährt exakt mit +19 ab. Erstaunlicherweise kommt es unterwegs zu keinen größeren Wartezeiten, sondern wir können sogar Verspätung abbauen. Als wir uns nach einer guten Stunde Fahrzeit Rheda-Wiedenbrück nähern (Ben dürfte seinen Anschlusszug in Dortmund auch noch bekommen haben), liegt sie unter zehn Minuten, so dass wir beschließen, nach Bielefeld weiterzufahren und erst dort in die Nordwestbahn nach Münster zu steigen.

Bielefeld Hbf       ab 15.14 NWB 79067
Münster (Westf) Hbf an 16.45

Am Hbf in Bielefeld nutzen wir den kurzen Aufenthalt dazu, eine Bahnpostkarte bzw. ein Lokmodell aus einer Sammelreihe zu kaufen. Der Bahnhof ist eine einzige Baustelle: nur der Nebentunnel ist benutzbar, einige Gleise sind gesperrt, aber die Bahnhofshalle ist schon sehr schön restauriert. An Gleis 4 fährt pünktlich der Talent der NWB ein und wird mit der schönen Ansage begrüßt: „Der Leineweber fährt weiter als Der Warendorfer“. Die Fahrt geht zurück über die Hauptstrecke, übrigens Teil der längsten viergleisigen Strecke Deutschlands. Vor Rheda-Wiedenbrück geht es etwas langsamer voran, da auch hier gerade gebaut wird. Wir kreuzen alle Gleise niveaugleich und fahren auf dem südlichsten Gleis ein. Nach einigem Aufenthalt wird es spannend: Ich fahre zum ersten Mal über die Strecke Münster - Rheda, die ich bisher nur von zahlreichen Autofahrten u.a. zur Verwandtschaft nach Warendorf kenne. Eingleisig und ohne Fahrdraht geht es unter der Hauptbahn hindurch, und bald läuft die Strecke parallel zur B 64 (ab Telgte B 51), die wir bis Münster nicht mehr verlassen werden. Das Tempo des Zuges erinnert mich an den Satz „Blümchen pflücken während der Fahrt verboten“, denn es geht mit viel Pfeifen und höchstens Tempo 60 über die zahlreichen unbeschrankten Bahnübergänge. Auf Herzebrock und den Bedarfshalt Clarholz folgt Beelen, wo wir den Gegenzug kreuzen und ich ein Signalgewicht fotografiere. Der folgende Haltepunkt Vohren ist sehr einfach gehalten, da er nur einmal werktäglich im Schülerverkehr bedient wird. Der Bahnhof Warendorf ist nach einem Brand vor einigen Jahren mit Außenbahnsteigen völlig neu gebaut worden. Von hier an ist mir die parallele Bundesstraße besonders vertraut: Neuwarendorf, der Klauenberg, an dem der Zug in einem Einschnitt verschwindet, der winzige Hp Raestrup-Everswinkel, der Abzweig der Umgehungsstraße von Telgte, der alte Bahnhof Handorf und schließlich an der Danziger Freiheit in Münster die Rampe zur Hauptstrecke aus Osnabrück. Für die 76 km von Bielefeld haben wir 91 Minuten gebraucht - eine mit durchschnittlich 50 km/h nicht schnelle, aber gemütliche Fahrt.

Münster (Westf) Hbf ab 17.11 RB 39666
Coesfeld (Westf)    an 17.50

Weiter geht es wieder über eine mir bisher unbekannte Nebenstrecke: die Baumberge-Bahn nach Coesfeld. Der 643er wartet schon an Gleis 2a, das etwas außerhalb der Bahnsteigüberdachung liegt. Pünktlich um 17.11 Uhr geht es los, zuerst parallel zur Strecke nach Essen, auf der uns prompt die RB überholt. Ab dem „aufgelassenen“ Bf Mecklenbeck geht es eingleisig weiter durch die wirklich idyllische Landschaft: Ebene Abschnitte mit Feldern wechseln sich mit bewaldeten sanften Hügeln ab, hin und wieder kreuzt das Gleis eine kurvenreiche Landstraße. Im Bf Havixbeck begegnen wir dem Gegenzug im Linksverkehr. Auch im darauffolgenden Billerbeck gibt es eine Kreuzungsmöglichkeit, sie wird jedoch nur im annähernden Halbstundentakt des Berufsverkehrs genutzt. In der Bauernschaft Lutum dagegen gibt es nur einen Hp, allerdings verlief von hier bis Coesfeld früher noch die Strecke von Burgsteinfurt und Rheine parallel. Von ihr ist leider nur noch der Schotter übrig, wodurch auch der Traum einer Reaktivierung in weiter Ferne liegen dürfte. Kurze Zeit später erreichen wir die Kreisstadt Coesfeld, von der viele Süddeutsche nicht wissen, dass sie „Koosfeld“ ausgesprochen wird. Nach einem Blick auf den Busfahrplan (der Busbahnhof ist praktischerweise parallel zum Bahnsteig von und nach Münster angeordnet) stellen wir fest, dass alle Busse erst in einer Stunde fahren und beschließen, mit der Prignitzer Eisenbahn nach Gronau zu fahren.

Coesfeld (Westf)    ab 18.01 PEG 29077
Gronau (Westf)      an 18.34
Gronau (Westf)      ab 18.43 RB 29029
Münster (Westf) Hbf an 19.46

Nach einem kurzen Umschauen auf dem Bahnhofsvorplatz geht es mit der PEG, die diese Strecke seit dem 12.12.04 befährt, weiter. An diesem Termin habe ich auch die Strecke kennen gelernt, weil ich die kostenlose Fahrtmöglichkeit am Eröffnungstag genutzt habe: die eingleisige Strecke mit Rosendahl-Holtwick und dem idyllisch im Wald gelegenen Hp Legden, das Castor-Protestgemälde in Ahaus, die lange und schnurgerade Strecke von dort bis zum Kreuzungsbahnhof Epe (wieder Linksverkehr) und ein Kuriosum kurz vor Gronau: Das Vorsignal ist ebenso wie das Hauptsignal ein Formsignal - der Vorsignalwiederholer dazwischen ist jedoch als Lichtsignal ausgeführt. In Gronau steigen wir aus und in den Zug nach Münster ein, der nach wenigen Minuten aus Richtung Enschede (Stichstreckenblock) am selben Bahnsteig eintrifft. Nach der Kreuzung in Ochtrup, an der der Lokführer eine offenbar vergessene Tasche an seinen Kollegen im Gegenzug übergibt, geht es weiter nach Metelen Land. Bahntechnisch ist der eingleisige Hp nicht sehr interessant, allerdings gibt es hier ein kleines Eisenbahnmuseum, auf dessen Gelände z.B. ein Zugzielanzeiger, ein alter Arbeitswagen und eine Schranke aufgestellt sind. Außerdem befindet sich am Empfangsgebäude der Hinweis, dass Metelen Land fast genau auf halbem Wege zwischen Gronau und Münster liegt - bemerkenswert, da wir den Großteil der Halte noch vor uns haben: zum Beispiel Burgsteinfurt, das inzwischen „Steinfurt-Burgsteinfurt“ heißt und wo gerade die Bahnsteige neu gebaut werden. Hier begegnen wir wieder der ehemaligen Strecke Rheine - Coesfeld, die auf einer Brücke hinter der Ausfahrt Richtung Münster unsere Strecke überquert - soweit ich das sehen kann, sind auch hier die Gleise abgebaut. Weiter geht es über den neu erbauten Hp Steinfurt-Grottenkamp sowie Steinfurt-Borghorst und Nordwalde zum Kreuzungsbahnhof Altenberge. Unterwegs bietet sich einige Male das Bild von anscheinend romantischen Rehen, die den Sonnenuntergang betrachten. Einige Mitreisende tauschen die ersten Informationen über die Bundestagswahl mit dem Zub aus, die wahre Dimension des Ergebnisses wird mir aber erst zu Hause klar werden. Jetzt sind wir schon wieder auf Münsteraner Stadtgebiet und klappern noch die Bahnhöfe MS-Häger (früher Nienberge) und MS Zentrum Nord ab. Trotz des Sprichwortes empfangen uns am Hbf weder Regen noch Glockenläuten, sondern ein historischer Zug, der wohl auf dem Weg an die Ostsee ist. An einigen Wagen steht als Fahrtziel „Kühlungsborn“. Werden die Wagen tatsächlich in Bad Doberan auf Rollwagen gesetzt oder läuft es auf einen Umstieg der Fahrgäste hinaus? An einer Bude vor dem Bahnhof besorgen wir uns unser Abendessen: ein halbes Hähnchen. Damit setzen wir uns in die Haard-Bahn, mit der wir wieder der Heimat zustreben wollen.

Münster (Westf) Hbf ab 20.11 RB 22264
Recklinghausen Hbf  an 20.50

Bis zur Abfahrt des Zuges ist noch etwas Zeit, und so beobachten wir essenderweise das Treiben auf dem Bahnhof. Auf den Nachbargleisen 9 und 12 sind ein ICE nach Hamburg und dessen Verstärkerzug angekündigt. Letzterer soll genau drei Minuten vor ersterem über dieselbe Strecke abfahren. Wir mutmaßen, dass das nur funktionieren kann, wenn an allen Bahnhöfen zwei Bahnsteiggleise pro Richtung zur Verfügung stehen, denn sonst wird es zu knapp. Wie die Verspätung beider Züge von je 10 Minuten zeigt, ist es das aber ohnehin. Auch der Gegenzug aus Hamburg hat ein wenig Verspätung, so dass sich unsere Abfahrt Richtung Essen etwas verzögert. Ohne weitere Zwischenfälle geht es dann durch das inzwischen eher nächtliche Münsterland zurück nach Recklinghausen, von wo Lubi alleine nach Essen weiter fährt und ich in den Bus nach Marl steige.

Zu Hause ziehe ich die Bilanz dieses sehr schönen Eisenbahntages: Das Wetter hat absolut mitgespielt (kaum eine Wolke am Himmel), wir hatten keine Verspätung, durch die die Tour beeinträchtigt worden wäre. Insgesamt haben wir für die 514 Bahnkilometer genau elf Stunden gebraucht. Ebenso bemerkenswert ist, dass wir nun doch ohne Busabschnitte ausgekommen sind und auf den Diesel-Bahnabschnitten ausschließlich den „Talent“ (von drei verschiedenen EVU) benutzt haben. Mit Ausnahme von Wesel - Bocholt habe ich trotz der Umdisposition alle Strecken befahren, die ich befahren wollte.
Fazit: Es war eine schöne Tour! Vielen Dank an PRO BAHN für den Gewinn, an Lubi und Ben für die Begleitung, an DB, NWB und PEG für die reibungslose Abwicklung und an Petrus für das Wetter!

Seitenanfang



Inhalt: Jan Zbikowski; Design: Nils Müller.
Kontakt für Fragen und Anregungen; Technische und rechtliche Hinweise
Letzte Änderung dieser Seite: 30.09.2005