Jan Zbikowski – Busse & Bahnen
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Busse & Bahnen > Themenseiten > Hamburg

Nahverkehr in Hamburg

Geschichte
Technik und Betrieb
Fotos und Tonaufnahmen
Ausflugstipps
Zum Weiterlesen

Geschichte

Wie die meisten Großstädte wurde auch Hamburg schon früh mit einem hervorragenden ÖPNV-Angebot ausgestattet. Den Anfang machte 1839 der Pferdeomnibus, gefolgt 1866 von der Pferdestraßenbahn, die ab 1894 elektrifiziert wurde. In einer wasserreichen Stadt wie Hamburg gehörten natürlich auch Hafenfähren (ab 1888) zu den ersten öffentlichen Verkehrsmitteln. Am 15. Februar 1912 wurde schließlich der erste Abschnitt der Hochbahn (die heutige U-Bahn) eröffnet. Sie hatte zur Aufgabe, alle Teile des damaligen hamburgischen Staatsgebiets zu erschließen. Noch heute ist das am Streckenverlauf erkennbar: so gibt es keine U-Bahn-Strecken nach Altona und südlich der Elbe, dafür führt die Bahn ins heute schleswig-holsteinische Großhansdorf. Für die Anbindung der Gebiete außerhalb Hamburgs wurde etwa zur gleichen Zeit ein Eisenbahn-Vorortverkehr eingerichtet, der zunächst mit Wechselstrom betrieben wurde und aus dem bis 1955 die Gleichstrom-S-Bahn entstand. Zum Vorortverkehr gehört auch die dieselbetriebene A-Bahn, die aus den Strecken der Alsternordbahn (ANB, heute A2), Elmshorn-Barmstedt-Oldesloer Eisenbahn (EBO, heute A3) und Eisenbahn Altona-Kaltenkirchen-Neumünster (AKN, heute A1) entstanden ist. Letztere betreibt die A-Bahn noch heute. Im Stadtteil Harburg, der 1937 zu Hamburg kam, gab es außerdem als kurzes Intermezzo von 1949 bis 1958 einen Obus.
Im Laufe der Jahre wuchs mit der Stadt Hamburg auch das ÖPNV-Netz, auch wenn nicht alle Planungen tatsächlich umgesetzt wurden. Insbesondere in den berühmt-berüchtigten 70er-Jahren gab es hochtrabende Planungen für eine autogerechte Stadt, in der die Straßenbahn komplett durch die U-Bahn ersetzt werden sollte. Übrig geblieben sind davon fast nur einige U-Bahn-Bauruinen und die vollständige Einstellung der Straßenbahn am 1. Oktober 1978.
Alle anderen Verkehrsmittel gehen modernisiert ins 21. Jahrhundert, nicht zuletzt dank des seit 1967 gütigen Tarifs des Hamburger Verkehrsverbundes (HVV), der die Benutzung aller Verkehrsmittel mit einer Fahrkarte ermöglicht. Lange Zeit war er auf Hamburg und die unmittelbare Umgebung beschränkt, erst 2002 kamen die kompletten holsteinischen Umlandkreise Pinneberg, Segeberg, Stormarn und Herzogtum Lauenburg dazu. 2004 folgten dann die Kreise Stade, Harburg und Lüneburg in Niedersachsen, so dass der HVV jetzt die gesamte Metropolregion Hamburg bis in die Lüneburger Heide und vor die Tore Lübecks erfasst.

Technik und Betrieb

In den Hauptverkehrszeiten sind die Takte bei den Schnellbahnen, aber auch bei vielen Buslinien sehr dicht (<10 min). Nur wenige Schnellbahnabschnitte werden seltener befahren, wie etwa aufgrund der Eingleisigkeit die S 1 zwischen Blankenese und Wedel.

U-Bahn (Betreiber: Hamburger Hochbahn): Neben Berlin, München und Nürnberg ist Hamburg einer der vier deutschen U-Bahn-Betriebe mit Stromschiene. Die Fahrzeuge sind prinzipiell im gesamten Netz einsetzbar, jedoch wird die neuere Baureihe DT4 vorwiegend auf der U1 und der U2 eingesetzt, während die älteren DT3 und die vereinzelt noch vorhandenen DT2E meist auf der U3 fahren. Insbesondere auf den frühen Strecken gibt es sehr viele oberirdische Abschnitte auf Viadukten (daher auch der Name „Hochbahn“). Die typischen Röhrentunnel des Schildvortriebs findet man nur auf der Innenstadtstrecke der U2. Zurzeit im Bau, obwohl heftig umstritten, ist die U4 zur Hafencity.

S-Bahn (Betreiber: S-Bahn Hamburg): Wie sonst nur in Berlin wird die S-Bahn mit Gleichstrom betrieben, mit dem Unterschied, dass in Hamburg die Stromschiene von der Seite bestrichen wird und eine Spannung von 1200 V besitzt. Ebenfalls mit Berlin gemeinsam hat Hamburg das Sv-Signalsystem, das neben dem Hp/Vr- (vereinzelt noch als Formsignale) und dem Ks-Signalsystem auf der S-Bahn eingesetzt wird. Es gibt sechs Linien, wobei die Linien mit einstelligen Nummern (S1, S2, S3) durch den Innenstadttunnel fahren, solche mit zweistelligen (S11, S21, S31) über die Verbindungsbahn. Die Linien S11 und S2 sind dabei reine Verstärkerlinien, die nur zur Hauptverkehrszeit fahren. Nach der Ausmusterung der Altbaufahrzeuge der BR 470 und 471 werden nur noch 474er (S1, S3, S31) sowie modernisierte 472er (S11, S2, S21) eingesetzt. Aufgrund der politischen und technischen Sonderstellung von Hamburg und seiner S-Bahn sind Erweiterungen des Netzes immer sehr schwierig. Für den S-Bahn-Betrieb ins Umland sind jedoch inzwischen einige Züge der BR 474 mit Stromabnehmern für den Wechselstrombetrieb ausgerüstet worden, so dass im Dezember 2007 mit der S3 nach Stade die erste S-Bahn-Erweiterung unter normalem Fahrdraht in Betrieb genommen werden konnte. Außerdem wurde 2008 die lange ersehnte Verbindung zum Flughafen fertiggestellt.

A-Bahn (Betreiber: Eisenbahn Altona-Kaltenkirchen-Neumünster): Auf diesen Linien setzt die AKN dieselelektrische Triebwagen ein, mit denen sich ein S-Bahn-ähnlicher Betrieb realisieren lässt. Selbst auf der eingleisigen Strecke Eidelstedt–Ulzburg wird in den Hauptverkehrszeiten ein 10-Minuten-Takt gefahren. Interessant ist auch der Bahnhof Ulzburg Süd, an dem sich alle drei A-Bahn-Linien treffen. Hier kann bahnsteiggleich zwischen den Linien A1 und A2 umgestiegen werden. Dazu wurde in der Mitte eigens ein Gleis mit Bahnsteigkanten auf beiden Seiten verlegt. Einige der Triebwagen sind inzwischen mit einem S-Bahn-Stromabnehmer ausgerüstet, so dass die Linie A1 zeitweilig von Eidelstedt bis zum Hauptbahnhof weiter fahren kann.

Bus (Betreiber im Stadtbereich: Hamburger Hochbahn, Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein, Pinneberger Verkehrsgesellschaft): In Hamburg gibt es verschiedene Arten von Buslinien: Die Metrobusse (Nr. 1-14 radiale, 20-27 tangentiale Linien), die in dichtem Takt auf stark nachgefragten Relationen verkehren, die gewöhnlichen Stadtbusse (dreistellige Nummern mit 1-5 beginnend), die eine Ergänzung zum Metrobus- und Schnellbahnnetz darstellen, die Eilbusse (dreistellige Nummern mit E beginnend), die zur Hauptverkehrszeit Siedlungsschwerpunkte ohne Zwischenhalt an die Schnellbahn anbinden sowie die zuschlagpflichtigen Schnellbusse (zweistellige Nummern mit 3-5 beginnend), die in Form eines Spinnennetzes das ganze Stadtgebiet abdecken und damit eine Alternative zu den Schnellbahnen darstellen. Zwischen Betriebsschluss und Betriebsbeginn der Tagesbusse werden durchgehend Nachtbusse (dreistellige Nummern mit 6 beginnend) eingesetzt, die am Wochenende aber inzwischen zum Teil durch den Nachtverkehr der Schnellbahnen ersetzt worden sind. Eine Besonderheit im Hamburger Fuhrpark sind die Doppelgelenkbusse, die auf besonders stark frequentierten Linien eingesetzt werden.

Hafenfähren (Betreiber: Hafen-Dampfschifffahrts-AG): Auch hier gibt es seit kurzem neue Fahrzeuge, die im Einmannbetrieb gefahren werden können und wegen ihres Aussehens „Bügeleisenschiffe“ genannt werden. Dreh- und Angelpunkt des Netzes (zweistellige Nummern mit 6 und 7 beginnend) sind die Landungsbrücken, von denen es einige Linien ins Hafengebiet gibt, deren Fahrplan am Berufsverkehr orientiert ist. Die Linie 62 nach Finkenwerder dient dagegen eher dem Verkehr der privaten Nutzer und der Touristen und verkehrt tagsüber im 15-Minuten-Takt. Von Finkenwerder aus gibt es außerdem eine Verbindung nach Teufelsbrück am nördlichen Elbufer. Die Hafenfähren sind voll in den HVV eingebunden; an den Haltestellen gibt es Fahrkartenautomaten und Fahrplanaushänge, die Blechfahne am Bug als Linienanzeige wurde bei den neuen Schiffen durch Matrixanzeigen an der Längsseite ersetzt.

Fotos und Tonaufnahmen

U-Bahn
Fahrt mit einem DT 4 auf der U 1 zwischen Ritterstraße und Wartenau (WAV, 287 KB)
Fahrt mit einem DT 3 auf der U 3 zwischen Rathaus und Rödingsmarkt (WAV, 567 KB)
S-Bahn
Fahrt mit einem 474 auf der S 11 zwischen Hauptbahnhof und Dammtor (WAV, 157 KB)
A-Bahn
Hafenfähren
Bus
Fahrkarten und Aushänge

Ausflugstipps

U-Bahn-Paradestrecke: Für alle, die zum ersten Mal in Hamburg sind, ein absolutes Muss: die Strecke der U3 von Hauptbahnhof Süd über Rathaus zu den Landungsbrücken. Hier gibt es mustergültig renovierte Tunnelbahnhöfe, aber auch den Viadukt mit Hafenblick (in Fahrtrichtung links) zu sehen. An den Landungsbrücken besteht nicht nur Gelegenheit, das Ganze von unten zu sehen, sondern auch zum Umstieg in die Hafenfähren.

Schiffs-Hafenrundfahrt: Viel preiswerter als eine „offizielle“ Hafenrundfahrt, allerdings ohne Kommentare, ist eine Fahrt mit dem HVV durch den Hafen. Dazu empfiehlt sich vor allem die Linie 62 (tagsüber im 15-min-Takt) von den Landungsbrücken nach Finkenwerder, auf der man das Trockendock von Blohm & Voss, den Fischmarkt und mit ein bisschen Glück auch das Auslaufen eines Ozeanriesen sehen kann. In Finkenwerder schließt sich die Linie 64 nach Teufelsbrück an, von wo aus es mit dem Bus weiter nach Blankenese geht. Es gibt auch Fährlinien, die tiefer in den eigentlichen Hafen fahren, auf diesen ist das Fahrplanangebot aber an den Berufsverkehr angepasst und daher nur bedingt für touristische Zwecke geeignet. Auf den Hafenfähren gibt es auch ein gastronomisches Angebot.

Bus-Hafenrundfahrt: Es gibt auch eine landgebundene Variante der HVV-Hafenrundfahrt: Ab dem S-Bahnhof Wilhelmsburg fährt die Linie 151 im Stundentakt mitten durch den ehemaligen Freihafen über die Köhlbrandbrücke. An Werktagen bekommt man so einen guten Eindruck von dem enormen Verkehr, der dort herrscht und den Dimensionen der Container, Kräne und Schiffe. An der Haltestelle BAB-Auffahrt Waltershof kann man dann in die Linien 150 und 250 (beide im 20-min-Takt) umsteigen, die durch den „neuen“ Elbtunnel zum Bahnhof Altona fahren.

Miniatur-Wunderland: Laut Eigenwerbung „die größte Modellbahnanlage der Welt“. Auf ca. 1.300 m² sind hier Landschaften aus Deutschland, der Schweiz, Skandinavien und den USA nachgebaut. Es herrscht nicht nur ein reger Zugbetrieb, sondern auch die Autos und Schiffe fahren wie von Geisterhand, und sogar einen Flughafen gibt es. Da man nie alle Details sehen kann und die Anlage außerdem ständig erweitert wird, lohnt sich ein regelmäßiger Besuch.

Postmoderne I: Der Bahnhof Hammerbrook an der S-Bahn-Linie 3 zwischen Hauptbahnhof und Veddel besticht durch seine futuristische Architektur: Die Strecke verläuft an dieser Stelle aufgeständert durch das dicht besiedelte Gebiet. Auf dem Viadukt befindet in einer nach oben offenen rote Röhre der Bahnhof.

Postmoderne II: Ebenfalls eine interessante Architektur weist der U-Bahnhof Hafencity-Universität (U4) auf: Über dem Bahnsteig hängen große Quader, die in wechselnden Farben leuchten.

Bauruine: Eine ganz eigenartige Atmosphäre herrscht am U-Bahnhof Hauptbahnhof Nord (U2). Aus einer großen Halle sieht man die Eingänge zu vier Röhrentunneln. Zwei davon dienen der U2, die anderen beiden wurden in den 70er-Jahren für die geplante damalige U4 angelegt, aber abgesperrt und nie benutzt. Im nördlichen dieser Tunnel ist ein Kunstprojekt installiert, dort kann man auch noch alte Hinweisschilder erkennen. Analog dazu gab es auch im Bahnhof Jungfernstieg zwei ungenutzte Bahnsteigkanten; diese werden aber inzwischen für die neue U4 in die Hafencity verwendet.

Zum Weiterlesen

Verwendete Quellen

Nahverkehr in Hamburg, Sonderheft 3/99 des Straßenbahn-Magazins

→ Homepage des Miniatur-Wunderlands

→ Hamburger Nahverkehrsforen von bahninfo.de

Sonstige Lesetipps

→ Homepage des Hamburger Verkehrsverbunds (HVV)

→ Infoseite von urbanrail.net über das Hamburger U- und S-Bahn-Netz (englisch)

Pischek/Borchers/Heimann: Die Hamburger S-Bahn, GeraMond Verlag

→ Gleismanns Bahnhof: Infos über Bahnen im Raum Hamburg, auch stillgelegte oder nie genutzte Abschnitte z.B. der U-Bahn

BAHN-Darstellungen des Nahverkehrs in Hamburg gibt es im → BAHN-Netze-Archiv unter den entsprechenden Suchbegriffen.



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Letzte Änderung dieser Seite: 29.06.2016