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Busse & Bahnen > Reiseberichte > Bretagne 2000

Reisebericht Bretagne 29.7.00

Planung
Hinfahrt

Planung

Im Jahr 2000 hatte ich wieder Gelegenheit, den internationalen Zugverkehr zu testen: Meine Familie war mit Freunden in die Bretagne gefahren, ich musste aber wegen Klausuren noch zwei Wochen zu Hause bleiben und konnte erst für die letzte Woche nachkommen. Zurück würden wir gemeinsam mit dem Auto fahren.

Meine Recherchen ergeben, dass ein Umsteigen in Paris praktisch unumgänglich ist, da die wenigen direkten TGV-Züge von Brüssel nach Westfrankreich sehr ungünstig liegen. Für das Umsteigen in Paris muss laut der DB-Auskunft auch relativ viel Zeit eingerechnet werden, so dass ich auf eine Gesamtfahrzeit von Haus zu Bahnhof von fast 14 Stunden komme. Das letzte Stück von Quimper zu unserem Feriendomizil in Locronan lasse ich mich mangels öffentlicher Verkehrsanbindung abholen.

Am Bahnhof kaufe ich nun insgesamt vier Fahrscheine: Eine einfache Fahrt von Langenfeld (Rhld) nach Köln (bis Langenfeld nutze ich mein Semesterticket), als nächstes einen Thalys-Fahrschein von Köln nach Paris inklusive Reservierung. Der von mir favorisierte Junior-Tarif ist schon ausverkauft, und die meisten anderen günstigen Tarife sind nur für die Hin- und Rückfahrt erhältlich. Also kaufe ich einen Fahrschein zum Wochenendtarif und nutze die Besonderheit dieses Tarifs, für einen Aufpreis von 5 DM in der ersten Klasse fahren zu können. Für den Streckenabschnitt ab Paris bekomme ich ein Twenticket und einen TGV-Zuschlag inklusive Reservierung. Laut Auskunft der DB-Angestellten hängt es vom Einzelfall ab, ob diese Variante oder der TGV-Globalpreis mit Anschlussfahrschein günstiger ist. Insgesamt zahle ich für die Fahrt 224,60 DM (114,84 €).

Hinfahrt

Samstag, 29.7.00

Dorsten            ab  7.56 RE 10207
Essen Hbf          an  8.29
Essen Hbf          ab  8.39 RE 10008
Köln Hbf           an  9.42

Am Samstagmorgen geht es los: Der Bus bringt mich pünktlich zum Bahnhof, und auch der RE 14 ist erfreulicherweise pünktlich. Das Umsteigen in Essen klappt somit problemlos. Wie immer am Wochenende ist der RE 1 überfüllt, ich bekomme daher nur noch einen Sitzplatz auf der Fensterbank des Steuerwagens. Auf der Fahrt passieren wir Düsseldorf-Wehrhahn, wo gerade ein Kamerateam den Tatort des Bombenanschlages filmt, der kurz zuvor dort verübt (und bis heute nicht aufgeklärt) wurde. Auf dem Weg nach Köln ziehen wir uns (wohl durch den starken Andrang von Fahrgästen mit und ohne Fahrräder) immer mehr Verspätung zu, so dass wir in Leverkusen Mitte zwei Fernzüge überholen lassen müssen. Schließlich fährt der Zug über die Hohenzollernbrücke in Köln Hbf ein. Da wir fast 20 min hinter dem Fahrplan her fahren, bleibt gerade noch Zeit, im Thalys, der zum Glück am selben Bahnsteig abfährt, den Wagen zu suchen und einzusteigen. Wie sich dann herausstellt, lässt der Thalys allerdings doch erst den RE 1 Richtung Aachen vorfahren und verlässt Köln somit mit Verspätung. Erst in Horrem werden wir den RE endgültig überholen.

Köln Hbf           ab 10.02 THA 9428
Paris Nord         an 14.05

Die Strecke Köln - Brüssel ist mir ja noch aus dem letzten Jahr bekannt. Im Gegensatz zum D-Zug hält der Thalys nur in Lüttich, so dass ich mehr Muße habe, die Inneneinrichtung des Thalys zu begutachten - sie sieht mit den plüschig-roten Sitzbezügen recht gemütlich aus, wenn auch die 2. Klasse (die ich ja bei dieser Fahrt nur als Gast besuche) ein wenig beengt wirkt.

2 1/2 Stunden nach der Abfahrt in Köln erreichen wir den Brüsseler Südbahnhof. Vor der Ankunft werden wir darauf hingewiesen, dass der Zug hier mit einem anderen Thalys (aus Amsterdam) vereinigt wird - wie alle Ansagen ist auch diese viersprachig (französisch, niederländisch, deutsch und englisch - die Reihenfolge richtet sich nach der gerade durchfahrenen Region). Das Aussteigen ist erst nach dem Kuppelvorgang möglich - Zeit genug für mich, um zwei britische Fahrgäste noch auf ihr vergessenes Buch aufmerksam zu machen.

Auch hinter Brüssel ist mir die Strecke noch von der Fahrt nach England bekannt. Diesmal versuche ich herauszufinden, wie schnell der Zug fährt. Da es anders als im ICE hier keine Geschwindigkeitsanzeige gibt, bleibt mir nur das Berechnen der Geschwindigkeit anhand der Kilometerschilder und meiner Armbanduhr. Ein wenig überrascht bin ich anhand des Ergebnisses von 300 km/h schon, denn der Zug ist erstaunlich leise, und die draußen vorbeifliegende etwas eintönige Landschaft lässt auch kaum Rückschlüsse zu. Nach weniger als einer halben Stunde ist die Grenze nach Frankreich erreicht, die nur an einem Schild mit den Signets der beiden nationalen Bahngesellschaften erkennbar ist. Unmittelbar danach ist die Dreiecksverzweigung bei Lille erreicht, an der wir im Gegensatz zur Englandfahrt mit unverminderter Geschwindigkeit geradeaus weiter fahren.

Die weitere Strecke läuft fast komplett parallel zur Autobahn A 1, die ich schon von diversen Urlaubsfahrten mit dem Auto kenne - sowohl vor, während als auch nach dem Bau der Hochgeschwindigkeitstrasse. Auf manchen Abschnitten trennt ein Schutzwall die Autobahn von der Bahnstrecke, manchmal gibt es auch kurze Tunnel - angesichts der platten Landschaft verlaufen diese wohl ausschließlich unter Raststätten oder Ausfahrten der A 1. Meistens aber ist ein ungehinderter Blick auf die Autobahn möglich. Eine Zeitlang setze ich mich dafür auf einen Notsitz im Einstiegsraum, da sich mein reservierter Platz auf der „falschen“ Seite befindet. Im Vergleich mit der Autobahn fällt die Geschwindigkeit des Zuges nun doch auf: selbst verglichen mit den Autos auf der Überholspur ist der Zug noch deutlich schneller, und die Lkw scheinen sogar fast zu stehen. In diesem Tempo durchfliegen wir den auf freiem Feld gelegenen Bahnhof Haute Picardie, in dem ohnehin nur einige TGVs halten, die Paris auf dem Ostring umfahren. Kurz vor 14 Uhr wird der Zug wieder langsamer, und bei Gonesse erreichen wir wieder eine konventionelle Bahnstrecke. Auch der Name dieses Ortes ist in diesen Tagen häufiger in den Medien zu finden: gerade ein paar Tage vorher hat sich dort der katastrophale Concorde-Absturz ereignet. Ein seltsames Gefühl ist es schon, am selben Tag an zwei Katastrophenschauplätzen vorbei zu kommen.

Da ich noch die Verspätung aus Köln im Kopf habe, bin ich überrascht, dass wir tatsächlich pünktlich in Paris Nord einrollen. Die Begrüßungsansage lautet: „Vous êtes arrivés à Paris Nord, ...“, was mich dazu einlädt, den Bahnhof und die Umgebung noch etwas zu erkunden, zumal noch über zwei Stunden Zeit bis zur Abfahrt des Anschluss-TGV in Montparnasse bleiben. Vor dem Gare du Nord esse ich erst mal im „etwas anderen Restaurant“ und bin erstaunt, dass zwar bei dieser Kette vieles international gleich sein mag, nicht jedoch die Form des McChicken... Gestärkt und durch den Kauf des Essens auch mit Kleingeld für den Automaten versorgt, mache ich mich mit der Metro auf den Weg zum Bahnhof Montparnasse. Der Weg von der Metrostation zum Bahnhof erweist sich als recht lang. Bei der Reiseplanung hatte ich kurzfristig erwogen, schon den TGV um 14.30 Uhr zu nehmen - nun stellt sich heraus, dass das praktisch unmöglich gewesen wäre.

Nun ist bis zur Abfahrt noch etwas Zeit, und so drehe ich hier auch noch eine Runde. Der Bahnhof Montparnasse ist weitaus weniger schön als der Gare du Nord - Betonarchitektur der späten 80er Jahre. Auch einige Menschen, die sich hier aufhalten, wirken wenig vertrauenerweckend - der Verkäufer einer Obdachlosenzeitung weigert sich zunächst, mir Wechselgeld zu geben, und eine Gruppe Punker ärgert sich gerade mit der Polizei herum und umgekehrt.

Ich begebe mich zu meinem Gleis (offenbar befinden sich Fern- und Nahverkehr in verschiedenen Ebenen) und frage die Dame von der Bahnsteigaufsicht, ob ich meinen in Deutschland gekauften Fahrschein auch entwerten müsse. Sie meint ja, also stecke ich den Fahrschein in den Entwerter, der zu meinem Erstaunen keinen Stempelabdruck, sondern lediglich eine kleine Kerbe im Papier produziert.

Paris-Montparnasse ab 16.30 TGV 8645
Rennes             an 18.43

Ich bin froh, dass ich nicht „auf den letzten Drücker“ zum Zug gegangen bin, denn der Zug besteht aus zwei Einheiten à 10 Wagen des TGV Atlantique, und mein Platz befindet sich ganz vorne, also am anderen Ende des Bahnsteiges. Der Wagen ist voll besetzt, und ich quetsche mich mit meinem Gepäck auf meinen Platz. Bald geht es los, und noch in den Vororten von Paris, die wir größtenteils im Tunnel unterqueren, erreicht der Zug die Höchstgeschwindigkeit. Die Landschaft hinter Paris ist ähnlich eintönig wie vorher (offensichtlich durchfahren wir gerade die Kornkammer Frankreichs), also vertreibe ich mir die Zeit mit Schlafen und Zeitunglesen. Letzteres ist im TGV, der ähnlich wie der Thalys nicht gerade eine geräumige 2. Klasse hat, nicht einfach. Bei den Halten in Le Mans und Laval (beide liegen bereits hinter dem Ende der Hochgeschwindigkeitsstrecke) leert sich der Zug etwas, und pünktlich um 18.43 Uhr erreichen wir die Endstation Rennes.

Rennes             ab 18.54 RE 89181
Quimper            an 21.28

Mein Anschlusszug fährt vom gleichen Bahnsteig ab, so dass ich vom Bahnhof nicht viel zu sehen bekomme. Eine automatische Ansage („Attention! Train numéro [Pause] quatre-vingt-neuf mille cent quatre-vingt-un à destination de [Pause] Quimper ...“) kündigt an, dass der Zug mit 5 min Verspätung abfahren wird, weil wir noch einen TGV aus Lille abwarten. Kurz nachdem dieser eingetroffen ist, geht es (deutlich mehr als 5 min zu spät) los. Wir fahren zuerst durch das idyllische Tal der Vilaine und treffen in Redon auf die Strecke aus Nantes. Von jetzt an läuft die Strecke parallel zur Küste, von der aber nichts zu sehen ist. Die Fahrt geht weiter durch viele Orte, die ich schon von früheren Reisen kenne, etwa Vannes und Auray. In Rosporden wartet der Bus nach Concarneau, auch dort war ich schon und werde in diesem Urlaub wieder hinfahren. Schließlich nähert sich der Zug der Endstation Quimper, der Hauptstadt des Départements Finistère. Wieder bin ich überrascht, da der Zug keine Verspätung mehr hat - anscheinend waren im Fahrplan genug Pufferzeiten vorhanden. Mein Empfangskomitee steht auch schon auf dem Bahnsteig bereit, und es geht zum Ferienhaus, in dem sich nach dieser 14-stündigen Tour dann doch die Müdigkeit bei mir bemerkbar macht.

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Letzte Änderung dieser Seite: 18.10.2003